Familienpaten: Lotsten im Familienalltag

Wer Kinder großgezogen hat, kennt das: Mal fehlt die Zeit zum Duschen, mal die zum Einkaufen, mal muss ein Kind zum Arzt, während das andere schläft, mal wird der Tag zum 20-Stunden-Tag, weil die Nächte keine mehr sind. Manche Familien erfahren Belastungen durch Trennung oder Scheidung, gesundheitliche Probleme oder Überforderung, weil einfach keine weiteren Angehörigen im nahen Umfeld leben, die Hilfe bieten können. 

Familien könnten belastet sein durch :

  •  Armut und Arbeitslosigkeit
  •  beengte Wohnverhältnisse
  •  Beziehungsstress zwischen den Eltern, oder zwischen Eltern und Kindern
  •  Anforderung an Schule und Ausbildung der Kinder
  •  Trennung oder Scheidung
  •  Herausforderung, alleinerziehend zu sein
  •  Gesundheitsprobleme
  •  Isolation der Familie
  •  fehlende Hilfsmöglichkeiten im engeren oder weiteren Umfeld
  •  Problemlösungsversuche durch Drogen oder Gewalt

Dies kann zu Überforderung bei den Eltern und dadurch zur Vernachlässigung der Kinder führen. Krisen sind oft vorprogrammiert. Ob es kurzfristige, praktische Hilfe ist oder mentale Unterstützung, um gut durch die ersten, anstrengenden Jahre zu kommen: Familienpaten fungieren als Ansprechpartner, Freund, Helfer und Vertrauenspersonen.

"Im Vordergrund steht die Patenschaft auf Augenhöhe", erklärt Bianka Stöcker-Meier, Projektleiterin im Diakonischen Werk Leverkusen, die das Projekt jetzt für Leverkusen in die Wege leitet. Gesucht werden Familienpaten, die belasteten Familien ehrenamtlich zur Seite stehen.

"Sie sollten Zeit und Geduld mitbringen", so Stöcker-Meier. "Nach Bedarf kümmern sich die Paten um die Familie. Sie schaffen Kontakte zu Behörden, helfen bei den Hausaufgaben - tun fast alles, was benötigt wird."

Die Aufgaben der Familienpaten können sein:

  • Gesprächspartner sein
  • Betreuung der Kinder, um Eltern eine Auszeit zu ermöglichenU
  • Unterstützung bei Alltagsentscheidungen
  • Praktische Hilfestellung ( Begleitung zum Arzt, gemeinsames Einkaufen)
  • Stärkung der Familie
  • Gesundheitsbereich (bewusste Ernährung, Bewegung)
  • gemeinsame Weiterentwicklung der Erziehungskompetenz
  • Schaffung einer Tagesstruktur ( Freizeitgestaltung für die Kinder, Unterstützung bei schulischen Schwierigkeiten, Förderung von Gemeinschaftserlebnissen)
  • Unterstützung beim Aufbau von nachbarschaftlichen oder verwandtschaftlichen Netzwerken
  • Lotsenfunktion zu anderen Fach-und Beratungsstellen ( Schuldnerberatung, Erziehungsberatung)

Bianka Stöcker-Meier unterstreicht, dass sie keine Sozialarbeiter ersetzen. Die Paten werden im Vorfeld geschult, um die Familien als Lotsen durch die Stürme des Alltags zu begleiten. Inhalte sind beispielsweise interkulturelle Kompetenz, Kommunikation und Gesprächsführung aber auch Grenzen der Hilfestellung.

Die Familienpaten werden fortlaufend geschult und eng durch eine qualifizierte Fachkraft begleitet.

 Schulungsinhalte sollten sein:

  • Umgang mit Familien in Krisen
  • Informationen zu kindeswohlgefährdenden Themen wie Gewalt, Misshandlung und Vernachlässigung
  • Möglichkeiten und Grenzen der Hilfestellung
  • Nähe und Distanz
  • Kommunikation und Gesprächsführung
  • Familiensysteme und ihre Dynamik
  • Einsatzbereiche der Familienpatenschaften
  • Interkulturelle Kompetenz
  • Werte in der Familie
  • Ablösung und Abschied von der Familie
  • Standards ehrenamtlicher Arbeit
  • Umgang mit Akzeptanz von Gefühlen
  • Herausforderung: Trennung und Scheidung

Wenn gravierendere Probleme auftreten, wissen die Paten, wo sie entsprechende Hilfen vermitteln können. Außerdem werden sie eng durch eine qualifizierte Fachkraft begleitet. Klar ist, dass die Familienpaten nicht im Auftrag des Jugendamts in die Familien kommen, die Hilfen sind freiwillig.

Bianka Stöcker-Meier
Bielertstr. 16a
51379 Leverkusen

Telefon 02171-75041-12
Fax 02171- 75041-28
bianka.stoecker-meier@diakonie-leverkusen.de